Abteilungschef macht es persönlich

28.06.2017 um 10:14 Uhr

Beim Kreispokalsieg des Roßweiner SV gegen den FC Grimma II verwandelt Jens Arnold den entscheidenden Elfmeter

Mit zwei Verbänden ging am Samstagabend Jens Arnold aus dem Kreispokal-Finale seines Roßweiner SV gegen den FC Grimma II heraus. Doch statt der Schmerzen überwogen beim Fußball-Abteilungsleiter die Glücksgefühle. Der 33-Jährige hatte beim 7:5-Erfolg nach Elfmeterschießen einen nicht unwesentlichen Anteil am Pokalsieg. Arnold erzielte nicht nur mit einem sehenswerten Linksschuss das zwischenzeitlich 2:0, sondern verwandelte auch den entscheidenden Elfmeter. „Danach hat mich aber unser eigener Torwart verletzt“, sagte Arnold schmunzelnd.

Torsten Jentzsch hatte beim Jubelsturm den kürzesten Weg zu Arnold und verpasste ihm im Freudentaumel eine Platzwunde an der Stirn. Der Schütze musste sich vor der Siegerehrung erst einmal einen kleinen Turban umlegen lassen. „Alles halb so wild, die möglichen Schmerzen werden heute betäubt“, so Arnold. Er meinte damit wohl eher alkoholische Kaltgetränke als Medizin.

Zweiter Held des Finales war eben jener Torsten Jentzsch, der im Elfmeterschießen nicht nur den Versuch des Grimmaers Florian Fritzsche parierte, sondern auch im Spielverlauf mit einigen Glanztaten Roßwein in der Partie hielt. „Keine Party ohne Totti“ stand auf einem Doppelhalter der Roßweiner Fans. Die Party stieg dank und mit ihm. „Wir wissen natürlich auch, dass wir einen sehr guten, wenn nicht sogar den besten Torhüter der Liga bei uns haben“, sagte RSV-Trainer Gerd Hentzschel nach der Partie. „Und dass er ab und an mal einen Elfmeter hält, ist ja auch hinlänglich bekannt.“

Dabei war er zu Beginn des Spiels erst einmal gar nicht gefordert, denn da suchten die Roßweiner ihr Glück in der Offensive und wurden bereits in der fünften Minute belohnt. Da konnte Grimmas Torwart Dennis Friedrich zunächst noch einen Freistoß von Enrico Wlotzka entschärfen, doch nach der anschließenden Hereingabe musste Benjamin Brambor den Ball nur noch über die Linie drücken. Die Gäste versuchten umgehend zu antworten, doch zunächst sprang nicht viel dabei heraus. Lediglich ein Eckball von Stefan Engel landete auf der Latte.

Im weiteren Verlauf war wenig Kreativität auf dem Platz zu sehen, viele lang geschlagene Bälle bestimmten die Partie. Roßwein konterte allerdings ab und an gefährlich und baute die Führung in der 35. Minute aus. Hier nahm Jens Arnold 20 Meter vor dem Tor den Ball gut an und brachte ihn mit einem tollen Linksschuss zum 2:0 im Grimmaer Tor unter. Die Grimmaer Antwort folgte aber umgehend, als nur Sekunden später Stefan Engel eine Ecke direkt verwandelte.

In der zweiten Halbzeit agierten die Grimmaer forscher und kamen zu einigen guten Chancen in der Anfangsviertelstunde. Hier scheiterten unter anderem Engel, Maksymilian Drobniak und Marvin Gräf am zur Hochform auflaufenden Torsten Jentzsch im Roßweiner Tor. „Wir haben in dieser Phase gut gespielt, allerdings sind wir mit unseren Abschlüssen fahrlässig umgegangen“, bemängelte Grimmas Trainer Walid Malkawi, der das Amt im Winter übernahm. Zum Ausgleich kamen sie dennoch: Nach einer Stunde schoss Drobniak dem Roßweiner Ronny Singer den Ball aus sehr kurzer Distanz an die Hand – es gab Elfmeter. Schiedsrichter Wolfhardt Engelmann wollte Singer schon mit der gelb-roten Karte vom Platz stellen, beließ es dann aber nach mehrminütiger Absprache mit dem Linienrichter und unter heftigen Protesten der Roßweiner nur beim Elfmeterpfiff. Den Strafstoß verwandelte Stefan Engel zum 2:2. Danach mussten die Teams ihrer langen Saison Tribut zollen. Mit dem Schuss an den Innenpfosten des eingewechselten Steve Müller gab es noch einen Aufreger in der regulären Spielzeit, in der Verlängerung gab es keine echte Torchance mehr.

„Wir hatten ein wenig auf unsere jungen Spieler gesetzt, dass diese gegenüber den Roßweinern das Tempo gehen können. Doch gerade in der Verlängerung habe ich gemerkt, dass sich unsere schlechte Trainingsbeteiligung auf das Spiel auswirkt“, sagte Grimmas Trainer Malkawi, der mit seinem Team sogar einige Ligaspiele in Unterzahl spielen musste. Dass das Elfmeterschießen dann Glücksache ist, darüber waren sich alle einig. Bei den Grimmaern absolvierte Kay Wimberger sein vorerst letztes Spiel. „Er wird wegen seiner Ausbildung erst einmal pausieren“, so Malkawi. Auf Roßweiner Seite verabschieden sich Steven Kaulich (zu Lok Döbeln) und Steve Müller (zum SV Olbernhau) mit dem Pokalsieg und bei der Saisonabschlussfeier. Drei bis vier Neuzugänge soll es bei den Roßweinern im Sommer geben.

Roßweiner SV: Jentzsch, Zerge, Singer, Steenbeck (68. Müller), M. Burkhardt, Kaulich, Seydel, Brambor (114. Koitsch), Wlotzka, Polefka, Arnold
FC Grimma II: Friedrich, Wimberger, Hoffmann, Hannover, Hein (118. Klinkenberg), Drobniak, Gräf, Engel (67. Wipper), Käseberg, Berthold (84. Hofmann), Bouamama (61. Fritzsche)
Tore: 1:0 Brambor (5.), 2:0 Arnold (35.), 2:1 Engel (36.), 2:2 Engel (62., Handelfmeter),
Elfmeterschießen: Roßweiner Wlotzka, Müller, Polefka, Singer und Arnold treffen, bei Grimma verwandeln Wimberger, Hofmann und Hannover. Fritzsches Schuss wird von Jentzsch gehalten.
Schiedsrichter: Engelmann (Auligk).
Zuschauer: 312.

(Text: DAZ vom 26. Juni 2017, Robin Seidel)