Zum sechsten Mal lud Bürgermeister Lindner am Freitag, dem 27. September 2019 zum Ehrenamtsempfang in den großen Rathaussaal ein. Auf seiner Gästeliste standen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger Roßweins und aus den Ortsteilen, die durch ihr ehrenamtliches Engagement mithelfen, das Leben in dieser Stadt besser, angenehmer, leichter, fröhlicher und fairer zu machen.

In seinem Grußwort an die Anwesenden betonte er, dass es sich bei denen, die der Einladung zu diesem Empfang folgten und natürlich bei denen, die an diesem Abend eine besondere Würdigung durch den Ehrenamtspreis erfahren, nicht um alle ehrenamtlich Tätigen handle. Aber sie stehen an diesem 27. September stellvertretend für jene, die sich entweder für alle sichtbar, z.B. bei der Pflege von Grünanlagen für die Verschönerung der Stadt einsetzen, oder für viele unsichtbar, z.B. ältere Menschen in ihrer Nachbarschaft betreuen.

Aus seiner Sicht sind es die „Ehrenamtler“, die mit ihrem Wirken der Stadt Farbe verleihen. Dass hier natürlich auch immer die dazugehörigen Ortsteile gemeint sind, unterstreicht der Bürgermeister.

In seiner Rede spielt Veit Lindner auch auf die „Miesepeter“ an, die behaupten, in der Stadt sei nichts los. Nach einer Zählung der Angebote des diesjährigen Veranstaltungskalenders kam er auf über 180 Termine. Diese werden zu einem Löwenanteil ehrenamtlich organisiert und verdienen es daher ganz besonders, dass sie durch eine gute Besucherresonanz Wertschätzung erfahren.

Die Ehrenamtlichen sind für Roßweins Bürgermeister jene, die diese Stadt und ihre Gesellschaft voranbringen und in diesem Zusammenhang „beglücken“ sie nicht nur das Gemeinwesen, sondern auch sich selbst. Etwas zu schaffen, voranzubringen, erfolgreich umzusetzen, das sind auch Voraussetzungen, die dafür sorgen, dass Glücks-Hormone bei Menschen ausgeschüttet werden. Und da Glückshormone bekanntlich ein hohes Suchtpotenzial verursachen, werden viele der Ehrenamtlichen im Rahmen ihrer Möglichkeiten „ehrenamtliche Wiederholungstäter“ sein.

Bevor Bürgermeister Lindner das Wort an Peter Treuner und Ekky Meister übergab, dankte er nochmals allen in den verschiedensten Bereichen und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass auch zukünftig diese Stadt von all jenen vorangebracht wird, die etwas für ihren Wohnort und sich selbst verbessern möchten.

 

Wie bereits in den vergangenen zwei Jahren waren Mitglieder des Leipziger academixer-Ensembles Teil des Abends. In einem Potpourri aus verschiedenen Teilen vergangener Programme äußerten sich die beiden Akteure zur Deutschen Sprache, die sich in Zukunft wohl weiter deutlich verkürzen würde, so dass der Plural und die Artikel zunehmend verschwinden, dass Namen wie Pepsi Cola lt. Gerichtsbeschluss nicht an Kinder vergeben werden können – Pepsi Carola dagegen schon und, dass Gutmenschen an einer besonderen Form von Menschenliebe erkrankt sind, die sie zwingen, Menschen gleich zu behandeln, gegen Kriege einzustehen und an die Gleichberechtigung von Frau und Mann zu glauben. Zum Abschluss ihres Programms warteten beide mit besonderen Highligts auf. So trug Peter Treuner als Reminiszenz auf die sächsische Mundartdichterin Lene Voigt deren „Handschuh“ vor und Ekky Meister sang das eigens für Roßwein komponierte Ehrenamtslied.

Die ZuschauerInnen dankten es den beiden Leipzigern mit Beifall und der Bürgermeister mit Blumen sowie der Einladung, den nächsten Ehrenamtstag wieder mit einem unterhaltsamen Programm zu bereichern.

An dieser Stelle des Veranstaltungsabends stand die Verleihung des Roßweiner Ehrenamtspreises in insgesamt sechs Kategorien an. Roßweiner BürgerInnen konnten im Vorfeld Vorschläge bei der Stadtverwaltung Roßwein einreichen und die Stadträte trafen letztlich die Entscheidung darüber, wer in diesem Jahr eine solche Auszeichnung erhält.

Für die Kategorie „Gute Seele“ war Jeanette Korth vorgeschlagen. Der stellvertretende Bürgermeister Hubert Paßehr trug für sie die Laudatio vor. In seiner Rede betonte er, dass Frau Korth zwar nicht reguläres Mitglied des Dampfmaschinenvereins sei, dass sie aber für den Verein, vor allem im Rahmen der jährlich stattfindenden öffentlichen Veranstaltungen, ein große Unterstützerin ist. So sorgt sie im Hintergrund dafür, dass zur rechten Zeit alles da ist und wenn etwas fehlt, dieses dann schnell und unkompliziert von ihr besorgt wird. Nur mit Hilfe solcher Menschen kann der Dampfmaschinenverein die eindrucksvollen Schautage für Jung und Alt realisieren. In seinen Ausführungen wies Hubert Paßehr auch darauf hin, dass Frau Korth die Patenschaft für die Pflege der Grünfläche vor der Elektro Roßwein GmbH übernommen hat und auch dieses Ehrenamt gewissenhaft ausfüllt. Bürgermeister Veit Lindner und Schulfestkönigin Saskia Grolp gratulierten Frau Korth und überreichten den Ehrenamtspreis.

Der zweite Laudator an diesem Abend war Sven Kempe. Er hielt eine Laudatio auf den langjährigen Vorsitzenden des SV 29 Gleisberg Herrn Jürgen Hannß. Mit sehr freundlichen und wertschätzenden Worten beschrieb Sven Kempe die Leistungen, die Jürgen Hannß für seinen Verein und dessen Mitglieder erbrachte. Seit 45 Jahren ist der Gleisberger selbst Mitglied des SV 29. Während dieser Zeit hat er sich vom Spieler zum Trainer und im Jahr 1990 dann schließlich zum Vereinsvorsitzenden entwickelt. Herr Kempe hob hervor, dass es eine besondere Herausforderung für Jürgen Hannß war, in der Wendezeit die frühere BSG Gleisberg in den SV 29 Gleisberg umzugestalten und damit den Fortbestand des Gleisberger Freizeitsportes zu sichern. Für die Erfolge bei den Kreismeisterschaften machte Sven Kempe ihn ebenfalls zu großen Teilen verantwortlich. Während seines großen Engagements schonte Jürgen Hannß sich und seine Gesundheit nie, so dass er letztlich gezwungenermaßen kürzertreten musste. Aber selbst seine gesundheitlichen Einschränkungen bewogen ihn nicht, dem SV den Rücken zu kehren. Heute ist er nicht mehr Vorsitzender, aber trainiert noch regelmäßig die Bambinis, schreibt weiter Sportberichte für die Tagespresse und hält den Fußballplatz in Gleisberg in Top-Form. Nachdem der Bürgermeister ihm im Anschluss an die Laudatio seinen Ehrenamtspreis in der Kategorie „Sportliche Erfolge“ überreichte, bedankte sich Jürgen Hannß und fügte hinzu „Ich werde weiter für den SV 29 am Ball bleiben!“.

Die dritte Laudatio an diesem Abend hielt Martina Thiele, die Vorsitzende des Roßweiner Heimatvereines, für Frau Sabine Krondorf. Frau Krondorf war für den Ehrenamtspreis in der Kategorie „Meine Stadt“ vorgesehen. Ihren Vortrag begann Frau Thiele mit dem Hinweis, dass alle anwesenden Ehrenamtlichen einen Ehrenamtspreis verdient hätten, zumal das Ehrenamtliche Engagement sich durch viele verschiedene Bereiche des Zusammenlebens zieht.

Zu Sabine Krondorf führte sie aus, dass diese eines der Gründungsmitglieder des Roßweiner Heimatvereines aus dem Jahr 1998 sei. Ausgestattet mit einem hohen Maß an Verlässlichkeit und einem künstlerischen Talent kam es Frau Krondorf zu, die Vereinschronik zu führen. Mit ihrer Hilfe wurde aber auch das Heimatmuseum selbst verschönt. Ob es das Gesicht eines „schweren Bruders“ ist, der durch die historische Gefängnistüre im Museumskeller lugt, oder der beleibte Mönch, der seinen Platz „nach Bedarf“ im Museum wechselt. Ihre Malereien sind immer gelungene Ergänzungen der Museumsausstellungen. Ein Denkmal im öffentlichen Raum setzte sich Frau Krondorf mit ihrer Arbeit an den historischen Straßenschildern. Der Verein nahm das Projekt in Angriff, die dekorativen und colorierten Holzstraßenschilder aus den 1930er Jahren nach alten Vorlagen neu zu beleben. Der Arbeitsgang der farblichen Gestaltung lag bei Frau Krondorf. An den Schildern freut sich heute jeder in Roßwein, sind sie doch ein Beispiel dafür, was durch das Ehrenamt an Schönem in einer Stadt entstehen kann. Frau Thiele beendete ihre Laudatio mit einem Zitat von Albert Einstein: „Auf Veränderung zu hoffen, ohne selbst etwas dafür zu tun, ist wie am Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten.“

Der Ehrenamtspreis für „Soziales Engagement“ wurde an diesem Abend an Thorsten Gruner, einem Mitglied des Roßweiner Behindertenbeirates vergeben. Die Laudatio dazu trug die Beiratsvorsitzende Kerstin Bauer vor. Gleich zu Beginn ihrer Rede bat sie die Anwesenden für einen kurzen Moment die Augen zu schließen und brachte ihnen damit die Lebenswelt Thorsten Gruners näher. Sehend geboren verlor der gelernte technische Zeichner und spätere Krankenpfleger durch einen Arbeitsunfall das Augenlicht. Aber seinen Lebensmut und seinen Gestaltungswillen verlor er nicht. Frau Bauer zählte eine Vielzahl seiner Freizeitbeschäftigungen vor. So spielte er Blindenfußball, war der beste Blindenkegler Deutschlands und ist Vorsitzender des Blinden- und Sehschwachenverbandes Sachsen. Seit 2011 ist er Mitglied im Behindertenbeirat in Roßwein, wirkt in der AG Stadtgestaltung mit und hier beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit dem Thema „Barrierefreiheit im öffentlichen Raum“. Dazu hat er sich in das Thema Ampelanlagen besonders eingearbeitet. Den Roßweiner Kindern gewährt er im Rahmen des Landesprogramms „Wir für Sachsen“ Eindrücke in das Leben eines Blinden. Kerstin Bauer charakterisierte Thorsten Gruner als freundlichen und bescheidenen Menschen und sie dankte dem Roßweiner Stadtrat dafür, dass Thorsten Gruner an diesem Abend eine Auszeichnung in Empfang nehmen konnte. Bei seinen Dankesworten an all die Mitstreiter an seiner Seite gab Thorsten Gruner zu verstehen, dass „in Zukunft von uns zu hören sein wird“.

Der Vorsitzende des Roßweiner Sportvereins Jürgen Krondorf war an diesem Abend gekommen, um eine Laudatio für Tobias Hinke, den Leiter der Abteilung Boxen, zu halten. Herr Krondorf spricht bei Tobias Hinke von einem Menschen, der über ein beachtliches Organisationstalent verfügt und damit innerhalb des Sportvereines nicht über den Weg der sportlichen Erfolge, sondern über den der organisatorischen Erfolge Achtung und Anerkennung erwirbt. Es gibt Menschen, die stehen dem Sport nahe – Tobias Hinke steht dem Sport nahe. Seine Elemente sind die Handschuhe, der Box-Sack und der Box-Ring. 1985 begann er als Boxer beim RSV und erkannte schnell, dass er über weitaus größere Stärken beim Organisieren und Lösen von Problemen verfügt und damit seinem Verein mehr nützen konnte, als er es als Boxer gekonnt hätte. Vor sieben Jahren dann übernahm Tobias Hinke schließlich die Abteilung Boxen, eine Abteilung, welche zu dieser Zeit nicht gut aufgestellt war. Aber es gelang ihm trotz Nachwuchsschwierigkeiten, dass in diesem Jahr das 70. Jubiläum des Roßweiner Box-Sportes gefeiert werden konnte. Jürgen Krondorf schloss mit den Worten „Dank für Deine Zeit und Deine helfenden Hände!“

Den Abschluss des Auszeichnungsreigens bildete der Ehrenamtspreis „Leben im Dorf“. Laudatorin dafür war Frau Heike Jakob aus Littdorf. Sie hatte eine Rede für die 84-jährige Niederstriegiserin Frau Marlice Finsterbusch vorbereitet. Frau Jakob erzählte den anwesenden Gästen davon, dass Frau Finsterbusch ein Mensch sei, den Bescheidenheit und Selbstlosigkeit auszeichnen. Sie will keinen Dank und kein „Gewese“ um sich für die Seniorenkaffees, die sie im Dorfgemeinschaftshaus für die Älteren aus dem Ort organisiert. Sie ist Mitglied im Heimatverein Niederstriegis und bringt sich auch engagiert beim alljährlichen Tag des offenen Denkmals ein. Vor 12 Jahren gründete sie eine Handarbeitsgruppe, die sich regelmäßig trifft und u.a. Artikel für einen Verkaufsstand auf dem Niederstriegiser Weihnachtsmarkt fertigt. Aber als würde das noch nicht reichen, da hilft sie beim Auf- und beim Abbau des Standes und wenn man sie fragt: „Brauchst Du Hilfe?“, dann antwortet sie: „Ach ich mach das schon.“. Wenn man ihr etwas Gutes tun will und ein Geschenk oder eine Aufmerksamkeit für sie organisiert, dann winkt sie ab und meint: „Ich möchte keine Extrawurst sein.“. Frau Jakob dankte Frau Finsterbusch nochmals herzlich für all das, was sie für ihren Ort tut und die Zuschauer hörten die kleine zierliche Frau darauf sagen: Es ist mir ein Herzensbedürfnis“, dass Niederstriegis nicht vergessen wird!“.

Und damit war der sechste Roßweiner Ehrenamtstag auch schon fast am Ende, Bürgermeister Lindner bat nochmals alle Ausgezeichneten für ein Gruppenfoto nach vorn und für die Eintragungen in die Roßweiner Chronik.

Abschließend dankte er allen, die diesen Abend möglich gemacht haben und an die Adresse der Ehrenamtlichen gewendet, sagte er: „Sie sind Vorbilder für mich, gute Vorbilder und ich wünsche mir, dass Sie als Multiplikatoren den jungen Menschen unserer Stadt das Ehrenamt nahe bringen.“

 

Blitzlichter des Ehrenamtsempfanges 2019