Anlässlich des Internationalen Tages »Nein zu Gewalt an Frauen« am 25. November 2019 rufen die Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Mittelsachsen und der Stadt Freiberg sowie die Mitarbeiterinnen des Frauenschutzhauses Freiberg auf, gemeinsam mit vielen Interessierten ein weithin sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Mädchen und Frauen zu setzen und die Fahne „Frei leben – ohne Gewalt“ zu hissen (Beginn 16.00 Uhr auf dem Schlossplatz in Freiberg). Anschließend gehen wir gemeinsam „Schritte gegen Gewalt“ durch die Innenstadt zum Pi-Haus. Mit einer gemeinsamen Lichteraktion soll an die Opfer häuslicher Gewalt gedacht werden. Lassen Sie uns diesen Aktionstag am 25. November gemeinsam nutzen, um dieses wichtige Thema an die Öffentlichkeit zu bringen.

22 Frauen und 27 Kinder suchten in diesem Jahr im Freiberger Frauenschutzhaus Unterkunft und Hilfe – auch Sandra gehört dazu. Die 44-jährige stammt aus einem kleinen Ort in der Nähe von Freiberg. Als sie ihre Lebensgeschichte erzählt, rollen Tränen über ihr Gesicht. „Nächstes Jahr wären wir 20 Jahre verheiratet gewesen“, sagt sie und erzählt von ihrer erwachsenen Tochter. Sie macht eine Pause und holt tief Luft. „Der Alkohol und auch Drogen haben bei meinem Mann in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle gespielt. Bereits als wir jung verheiratet waren, war er immer mal betrunken – richtete seine Unzufriedenheit anfangs aber nicht gegen mich“.

Das habe sich im Laufe der Jahre geändert. „Mein Mann hat in letzter Zeit oft überreagiert, ich brauchte nur am falschen Ort zu sitzen und er ist ausgerastet. Manchmal ist er dann einen Tag oder über Nacht weggewesen“. Wenn Sandra davon erzählt, dass ihr Mann keinerlei Widerspruch duldete, ihr sogar das Handy und den Autoschlüssel wegnahm, zittert ihre Stimme. In den letzten Wochen vor ihrem Trennungsentschluss sei das Zusammenleben untragbar geworden. Er habe nachts in der Wohnung randaliert, Schränke ausgeräumt und ihre Sachen voller Wut aus dem Fenster geworfen. Einmal habe er sie auch ausgesperrt. Sie selbst habe nur noch funktioniert und sich mehr und mehr zurückgezogen …

Gewalt an Frauen – sie passiert täglich, meist im Verborgenen. Sie schleicht sich oft auf leisen Sohlen in die Beziehung und es ist für die Betroffenen schwer, sich angemessen zu wehren und rechtzeitig Konsequenzen zu ziehen. Für Außenstehende ist es meist unbegreiflich, wie misshandelte Frauen sich verhalten. Die Opfer schweigen und wahren für ihre Angehörigen den guten Schein der heilen Welt.

Von Gewalt betroffene Frauen fühlen sich oft allein gelassen und schämen sich für das, was ihnen angetan wird. Neben der Angst vor dem Partner, der Sorge um die Kinder oder über das „Gerede“ der Nachbar/innen, Verwandten, Arbeitskolleg/innen kommt häufig noch das Gefühl von Schuld und Ohnmacht hinzu.

Andauernde häusliche Gewalt zwingt Betroffene zu einem Leben in Angst und Isolation. In solchen Situationen ist es richtig und wichtig, sich professionelle Hilfe zu suchen. Hier bietet das Frauenschutzhaus Freiberg die Möglichkeit, sich in einem geschützten Rahmen mit der Situation auseinander zu setzen und mit Fachberaterinnen Lösungswegen für eine gewaltfreie und selbstbestimmte Lebensperspektive zu entwickeln.

Telefon: 03731-22561 (24 h täglich)