Was bewegt die Bauern?

Es gründete sich die Organisation „Land schafft Verbindung“. Die hier Aktiven, meist jungen Bauern, organisierten sich anfangs über WhatsApp – Gruppen und waren schon die Initiatoren der Traktorendemos in Chemnitz, Leipzig und Görlitz Ende Oktober. Unterstützung erhält der nun neu gegründete Verband vom Sächsischen Landesbauernverband und seinen Regionalverbänden. Der folgende Text ist die Pressemeldung der Gruppe Sachsen zur Berlindemo am 26.11.2019.

Landwirte denken in Generationen, nicht in Kampagnen! Wir stehen für Insekten- und Naturschutz, für sauberes Grundwasser und gesunde Lebensmittel. Wir betreiben klimaschonende Landwirtschaft. Wir deutschen Bauern produzieren zu den weltweit höchsten Standards und wir verwehren uns ausdrücklich gegen das negative Bild der Landwirtschaft, das immer wieder in der Öffentlichkeit gezeichnet wird.

Das von den Ministerinnen Klöckner und Schulze präsentierte „Agrarpaket“ wurde überstürzt mit heißer Nadel gestrickt. Es gefährdet nicht nur unsere landwirtschaftlichen Betriebe, sondern ist auch eine Gefahr für die regionale Lebensmittelproduktion und für den Erhalt der ländlichen Räume. Das möchten wir verhindern, und deshalb gehen wir auf die Straße und fordern einen Dialog zu folgenden Punkten:

  • Das Aussetzen des Agrarpakets und ergebnisoffene Neuverhandlungen.
  • Einheitliche Richtlinien für die Landwirtschaft in der gesamten EU. Keine deutschen Alleingänge.
  • Die neutrale Erforschung des Insektenrückgangs – trotz oder WEGEN immer stärkerer Auflagen? Welchen Anteil haben z.B. LEDs, Mobilfunkanlagen, Windräder, Flächenversiegelung daran?
  • Die unabhängige Überprüfung der Nitrat-Messstellen sowie die Anzahl der Messpunkte auf einen europaweiten Standard auszuweiten, den Anteil an beispielsweise kommunalen und industriellen Nitrateinträgen ins Grundwasser zu ermitteln und ebenfalls zu berücksichtigen.
  • Importierte Waren, die nicht dem EU-Standard entsprechen, als solche zu kennzeichnen. Ebenso die Herkunftskennzeichnung bei Rohwaren und verarbeiteten Lebensmitteln.
  • Bei politischen Entscheidungen zu Umwelt-, Klima- und Tierschutzmaßnahmen, den Erhalt der regionalen Lebensmittelproduktion in den Vordergrund zu stellen und zu stärken.
  • Anstatt neue Tierwohllabel zu entwickeln, die bestehenden zu fördern und weiterzuentwickeln.
  • Dass gesellschaftliche Wünsche wie z.B. mehr Tierwohl, extensivere Bewirtschaftung (und damit geringerer Ertrag und Gewinn), die Ausbreitung der Wölfe und Umweltmaßnahmen finanziell von der Gesellschaft getragen werden.
  • Die Bürokratie und Dokumentationspflicht zu vereinfachen.

(Quelle: Pressemeldung „Land schafft Verbindung)

Die obenstehenden Forderungen finden die volle Zustimmung des bäuerlichen Berufsstandes und könnte noch um einige Punkte erweitert werden, wie z.B.

  • Landwirtschaft muss auch in den Schulen vermittelt werden – mit Einblick in die reale landwirtschaftliche Produktion
  • Die Tierhaltung, als Bestandteil der landwirtschaftlichen Kreislaufwirtschaft muss mehr Unterstützung erhalten. Die derzeitige Politik ist kontraproduktiv!

Iris Claassen
Regionalbauernverband Döbeln-Oschatz e.V.