Tag des offenen Denkmals 2025 startete in Etzdorf – Denkmalpreise vergeben

Wo einst Transformatoren surrten und Schaltanlagen untergebracht waren, gibt es heute Street-Art und Skulpturen. Das ehemalige Umspannwerk in Etzdorf bildete den idealen Rahmen für die zentrale Eröffnungsveranstaltung des „Tags des offenen Denkmals“ in Mittelsachsen.

Landrat Sven Krüger würdigte in seiner Ansprache das vielfältige Engagement für den Denkmalschutz im Landkreis. „Unsere Denkmale sind nicht nur steinerne Zeugen der Geschichte, sondern auch Orte lebendiger Kultur. Ohne das Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger könnten wir sie nicht erhalten“, betonte er. In Mittelsachsen gibt es ca. 12.000 Kulturdenkmale in unterschiedlichem Zustand: Von top saniert bis hin zu einsturzgefährdet. Die meisten Eigentümer erhalten und bewahren ihre Denkmäler liebevoll und mit großem Aufwand. Zudem haben wir im Kreis 24 ehrenamtliche Denkmalpfleger – so viele wie kein anderer Kreis in Sachsen.“
Traditionell werden im Rahmen der Veranstaltung die Denkmalpreise des Landkreises Mittelsachsen verliehen. 2025 erhalten diesen:
1. Gerd Göbelbecker, Geschäftsführer der 1. Projektgesellschaft Alte Spinnerei Mittweida GmbH, für die Rettung und Umnutzung der ehemaligen Baumwollspinnerei Mittweida,
2. Sebastian Keucher, für die denkmalgerechte Sanierung und Wiederbelebung des Gasthofs „Waldschlößchen“ am Rochlitzer Berg,
3. und der Förderverein Zellwaldbahn e. V., der mit großem ehrenamtlichen Einsatz die historische Bahnstrecke und den Bahnhof Großvoigtsberg zu neuem Leben erweckt hat.
Hintergrund
Seit 1993 öffnen jedes Jahr am zweiten Sonntag im September in ganz Deutschland Denkmale ihre Türen, die sonst meist nicht oder nur eingeschränkt zugänglich sind. Der europaweite Tag des offenen Denkmals steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Wert-voll: unbezahlbar oder unersetzlich?“
Der Landkreis Mittelsachsen beteiligt sich jedes Jahr mit durchschnittlich 60 bis 80 Objekten pro Jahr. Die Denkmalpreise werden seit 2005 verliehen.
Auch 2025 konnten dank Unterstützung der Stiftung für Kunst und Kultur der Sparkasse Mittelsachsen neun neue Faltblätter und drei Nachauflagen zu bedeutenden Denkmalen herausgegeben werden (u.a. zur Kamelie Roßwein, dem Landschaftsgarten Lichtenwalde und der „Orangerie“ Ringethal).
Auch über den Veranstaltungsort, das Umspannwerk Etzdorf, gibt es einen neuen Flyer. Das 1911 errichtete Gebäude diente mehr als 100 Jahre der Versorgung der ländlichen Gemeinden Mittelsachsens mit elektrischer Energie. Nach seiner Stilllegung stand es jahrelang leer. Die Rettung kam 2019 durch eine Gruppe junger Künstler, die die „Kulturnetzwerk UW Etzdorf GmbH“ gründeten und den Komplex erwarben. Ein lebendiges Beispiel für gelungene Umnutzung eines technischen Denkmals.

Zu den Ausgezeichneten:
Gerd Göbelbecker:
Der 56-Jährige hat mit seinem Engagement in Mittweida bewiesen, dass Unternehmergeist und Geschichte zusammenpassen und ein gutes Ergebnis erzielen können, heißt es in der Laudatio für den Ausgezeichneten. Göbelbecker kaufte die alte Baumwollspinnerei an der Zschopau – trotz einer schwierigen Ausgangslage. Die Gebäude standen lange leer, waren mehrfach vom Hochwasser betroffen und das Grundstück geteilt. Mit viel Energie, unternehmerischen Geschick und dem notwendigen Wissen sei die Sanierung und Umnutzung gelungen, lobte Jörg Liebig von der Denkmalschutzbehörde in seiner Laudatio. „In über 30 Jahren Denkmalschutz habe ich kein zweites vergleichbares Beispiel finden können, wo zwischen der Idee, der Planung und der Realisierung so wenig Zeit verging.“ 2020 gab es die ersten Vorplanungen, am 1. Dezember 2021 konnte der neue Hauptmieter, das Jobcenter, einziehen. Und Gerd Göbelbecker hat weitere Pläne: Aktuell entstehen 75 Wohnungen in der alten Baumwollspinnerei.
Förderverein Zellwaldbahn e.V.:
Im Februar 1995 hatte sich die Deutsche Bahn von der Großvoigtsberger Betriebsstelle verabschiedet, nahm die Hälfte der Bahnhofsgleise außer Betrieb und überließ die Baulichkeiten ihrem Schicksal. Gäbe es nicht den Enthusiasmus von Aktivisten wie „Förderverein Zellwaldbahn“ oder „IG Dampflok Nossen e. V.“, wären die Schienen vielleicht längst demontiert. Die Eisenbahnfreunde aus Großvoigtsberg setzen sich seit den 1990er Jahren für den Erhalt der Zellwaldbahn und des Bahnhofs Großvoigtsberg ein. Gemeinsam mit Partnern organisiert er die denkmalgerechte Instandsetzung der Anlagen und bewahren historische Eisenbahninfrastruktur. Ein Schwerpunkt ist der Betrieb und die Pflege des Museumsbahnhofs Großvoigtsberg, in dem die Geschichte der Bahnstrecke dokumentiert wird. Ziel ist die Erhaltung der Strecke für Sonderfahrten, die Bewahrung von Kulturgut und die Förderung des regionalen Eisenbahnerbes.
Sebastian Keucher:
Der Dachdeckermeister aus Chemnitz hatte im Jahre 2018 den ruinösen und lange leer stehenden Gasthofkomplex „Waldschlößchen“ am Rochlitzer Berg erworben. In den vergangenen Jahren wurde das Haus grundlegend instand gesetzt, Dachstuhl und Dachdeckung erneuert, Wände stabilisiert, Porphyrtuff ersetzt, Fußböden und Haustechnik erneuert sowie eine Löschwasserzisterne eingebaut. Das neu eröffnete Café im ehemaligen Küchenbereich ist im Stil der Jahrhundertwende gestaltet.
Noch im Umbau befindet sich das Obergeschoss, in dem Ferienwohnungen entstehen und das ehemalige Waschhaus. Der benachbarte Musikpavillon soll ebenfalls noch hergestellt werden, um den Biergarten in altem Stil zu vollenden. „Er erweckte damit einen touristischen Leuchtturm der Region zu neuem Leben und rettete ein bedeutendes Kulturdenkmal vor dem Verfall“, sagt Thorsten Kühnrich-Benthin von der Denkmalschutzbehörde des Landkreises. Die Umsetzung des Vorhabens sei in denkmalpflegerisch beispielhafter Weise erfolgt.
(Fotos: Landkreis Mittelsachsen)



