- Volkstrauertrag 2018 - Gedenkveranstaltung in Otzdorf

am 18. November 2018

1915 schrieb Käthe Kollwitz in ihren Erinnerungen an ihren gefallenen Sohn Peter:

„Tod fürs Vaterland,
das spricht sich so hin.
Welch furchtbare Tragödie,
welch Triumpf der Hölle
verbirgt sich hinter der glatten Maske dieser Worte.“

In ihrem Tagebuch lesen wir folgendes:

„6. Februar 1915:
Immer derselbe Traum: Er wäre noch da,
es wäre noch eine Möglichkeit,
dass er lebte
und dann noch im Traum die Erkenntnis,
er ist tot.“

Dazu führt sie noch ein Zitat von J. W. von Goethe an:

´Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden.´
Und ein paar Tage später:
„15. Februar 1915: Peter war Saatfrucht,
die nicht vermahlen werden sollte.“

Als der erste Sohn von Käthe Kollwitz in den Krieg ziehen wollte, war die Mutter, wie so viele, noch ganz überzeugt, dass dies wichtig und richtig sei. Drei Monate später fiel Peter. Für seine Mutter brach eine Welt zusammen. Sie schrieb in ihr Tagebuch:

„Alle die dich lieb hatten, behalten dich in ihren Herzen …“ Käthe Kollwitz war eine von zehn Millionen Müttern, die um ihre Söhne trauerten.

vor genau 100 Jahren war der erste Weltkrieg zu Ende. Er begann am 1. August 1914 und endete am 11. November 1918. Anfänglich vorhandene Begeisterung wandelte sich schnell in Entsetzen und Grauen. Am Ende flossen Tränen der Trauer fast überall auf der Welt.

George F. Kennan bezeichnete den ersten Weltkrieg als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Die Folgen dieser wirken bis heute nach.

Die Menschen wissen, was für Folgen der Krieg hat. Trotzdem beginnen sie immer wieder neue Kriege. Auch hat die Erfahrung uns gelehrt, dass Erinnerung und Trauer allein keine neuen Kriege verhindern. Schon allein deswegen darf die Arbeit für den Frieden nie enden.

Der Volkstrauertag ist nicht nur ein Tag, an dem wir an die Toten von Krieg und Gewaltherrschaft erinnern. Er ist der Tag, an dem wir zum Frieden mahnen müssen.

Die Erinnerung muss wach bleiben. Damit möchte ich noch einmal auf meine Worte vom vorigen Jahr zurückgreifen: „Wir leben in Frieden. Wir verdrängen die schlechten Seiten der Geschichte.

Und leider gibt es immer weniger Mitmenschen, die im Krieg waren und die uns davon noch erzählen, ja, die uns mahnen könnten – die Zeit löscht vieles aus.“ Die Erinnerung muss wach bleiben.

Erschreckend, dass einige Mitbürger, auch aus unserer Region, sich keine Gedanken über Kriege machen. So mussten wir in der DAZ vom 12./13. August vorigen Jahres folgenden Artikel lesen:

Marbach

„Am Donnerstag wurde die Polizei von Verantwortlichen auf den Friedhof in Marbach gerufen. Auf eine Messing-Gedenktafel der Kriegsgräbergedenkstätte hatten Unbekannte zwei Hakenkreuze geritzt …“

Ob Lausbubenstreich oder eine gezielte Provokation – es ist nicht nur bedenklich und verwerflich, sondern in hohem Maße sträflich.

Umso erfreulicher ist es dafür, dass das Denkmal an der Friedenseiche in Littdorf erneuert wurde. Der Gedenkstein wurde aufgearbeitet und mit einer neuen Schriftplatte versehen, die Tafel an der Eiche erneuert und ein Friedenskreuz aufgestellt.  Die Eiche selbst wurde am 1. September 1895 von der Gemeinde Littdorf und dem Veteran Johann Wilhelm gepflanzt. Sie erinnert an die Opfer des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 und an die 25. Wiederkehr des Friedensschlusses. Am 2. Juni 2018 wurde innerhalb einer kleinen Feierstunde unter reger Beteiligung der Einwohner des Ortes das Littdorfer Friedenskreuz eingeweiht. Gestiftet wurde das schlicht gehaltene Holzkreuz von der SaarMontan Berg- und Tunnelbau GmbH & Co. KG Saarbrücken. Damit steht nun ein weiteres Symbol des Gedenkens an diesen Krieg und dessen Opfer und es drückt gleichfalls die Verbundenheit des Saarbrücker Ortsteils Jägersfreude und der ehemaligen  Gemeinde Niederstriegis mit ihren damaligen Ortsteilen, u.a. auch Littdorf, aus.

Um dem Vergessen entgegen zu wirken, leistet auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. eine engagierte Arbeit. Sein Leitspruch:

Versöhnung über den Gräbern

Arbeit für den Frieden

kann nicht zutreffender sein.

Text: Heiner Richter
Verwendung von Auszügen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Foto: Heiner Richter