Roßweiner Feuerwehr darf neues Fahrzeug für den ärztlichen Notfalldienst in Betrieb nehmen / Einzigartiges Projekt läuft 14 Jahre

Seit mittlerweile 14 Jahren fahren Roßweiner Feuerwehrkameraden Bereitschaftsärzte aus Roßwein und Döbeln zu ihren nächtlichen Einsätzen oder zu jenen am Wochenende. Das in Sachsen einzigartige Projekt hat der Roßweiner Feuerwehr jetzt zu einem neuen Einsatzfahrzeug verholfen. Der alte VW Passat, mit dem die Kameraden die Mediziner bisher gefahren haben, ist in die Jahre gekommen. 90 000 Kilometer hatte das Fahrzeug auf der Uhr. Deshalb wurde nun ein nagelneuer Ford Ranger angeschafft, und an der Finanzierung haben sich auch jene Ärzte beteiligt, die den Fahrdienst in Anspruch nehmen.

Dr. Clemens Otto möchte die Fahrbegleitung nicht mehr missen. Der Allgemeinmediziner mit Praxis in Roßwein ist seit vielen Jahren ein Teil des Projektes und erklärt, wie die Finanzierung des 41 000 Euro teuren Fahrzeuges funktioniert hat. Zu den 22  000 Euro vom Freistaat haben die acht Ärzte ihre über die Jahre gesammelte Kilometerpauschale für jeden ihrer Einsätze gepackt. Und Clemens Otto hat noch einen Teil selbst beigesteuert. Der Fahrdienst, den der mittlerweile verstorbene Arzt Klaus Wolfram Schubert und der langjährige Wehrleiter Roßweins Klaus Bernhard 2004 „ausgeheckt“ haben, ist es ihm Wert. Dabei geht es nicht mal einfach nur um Bequemlichkeit. Es geht unter anderem um Sicherheit. Im Dunkeln nach Orten, die man nicht kennt oder Hausnummern zu suchen, sei zu Zweit schlicht leichter. So kann auf dem Weg zum Patienten Zeit gespart werden. Für die Kameraden sind die Bereitschaftsfahrten wie eine zusätzliche Ausbildung. Mittlerweile kennen sie sich in Erster Hilfe gut aus, können inzwischen selbst Infusionen vorbereiten und dem Arzt so zur Hand gehen. „Sie halten uns den Rücken frei, auch in brenzligen Situationen“, erzählt Clemens Otto, der selbst schon einmal in eine solche Lage gekommen und froh war, nicht allein gewesen zu sein. Vor allem auch für die Frauen unter den Bereitschaftsärzten sei es eine Frage der Sicherheit.

Sieben „dufte Typen“ der Roßweiner Wehr sind es, die derzeit acht Ärzte fahren. Klaus Bernhard, der noch immer die Einsatzpläne schreibt und Leiter der Arbeitsgemeinschaft ärztlicher Notfalldienst Roßwein ist, gehört selbst noch dazu. Auch Wehrleiter René Bernhard, Uwe Baumann, Thomas Kretzschmar, Gunter Marschner, Stefan Wichlacz und Hans-Jörg Grünert von den Niederstriegiser Kollegen halten sich für die Einsätze bereit – unentgeltlich. 108 Einsätze gab es im vergangenen Jahr, die Bereitschaftszeit der Kameraden ist natürlich wesentlich umfangreicher. Etwa 60 000 Kilometer ist der alte VW Passat in den zurückliegenden Jahren für die Fahrten zu Patienten gerollt.

Warum sich das Projekt nicht auch über Roßwein hinaus durchgesetzt hat, weiß Klaus Bernhard nicht zu sagen. Clemens Otto erinnert sich, dass damals mit den Bürgermeistern aus Döbeln, Leisnig, Waldheim und Hartha eine Zusammenkunft gegeben habe, eine Ausdehnung des Fahrdienstes auf die anderen Kommunen an unüberbrückbaren Hürden gescheitert sei. Es hätten keine Fahrer entbehrt werden können und die Versicherungsfrage habe auch gestanden.

In Roßwein wurde einfach gemacht, wie auch Gemeindewehrleiter Wolfram Schirmer betonte: „Wenn man will, geht alles. Dann findet man auch Mittel und Wege.“ In Roßwein läuft das Fahrdienst-Projekt im Auftrag der Stadt, womit auch die Versicherung für die Fahrer abgedeckt ist.

Der neue Ford Ranger, der noch ein festes Navi mit Rückfahrkamera und eine fest verbaute Kiste für die Ladefläche bekommt, soll nur das erste neue Fahrzeug für die Flotte der Roßweiner Wehr sein. Dringend ersetzt werden muss auch das überalterte Tanklöschfahrzeug.

(Text: Manuela Engelmann-Bunk/DAZ, Fotos Sven Bartsch)