Der riesige Tresor, welcher bisher die Rückwand des Einwohnermeldeamtes zierte, wurde nun innerhalb von zwei Tagen (07./08. Januar 2020) aus dem Rathaus bugsiert und zur Verschrottung verladen. Bereits im September letzten Jahres kam der sach- und fachkundige Hamburger Oliver Diedrichsen als „Panzerknacker“ nach Roßwein und lüftete nach insgesamt sieben Stunden das Geheimnis des riesigen Panzerschrankes im Einwohnermeldeamt. Im Tresor selbst befanden sich Modemagazine und Schnittmusterbögen aus der DDR-Zeit sowie  einige Dokumente der Bibliothek, welche ehemals in den Räumen des jetzigen Einwohnermeldeamtes untergebracht war. Bei dem Kraftakt bestand die Aufgabe für Jürgen Beyer, Inhaber der Spedition für Geldschrank- und Tresortransporte aus Markersdorf in der  Oberlausitz den tonnenschweren Tresor aus dem Rathaus zu transportieren. Zunächst musste das Ungetüm zweimal gedreht werden. Dabei wurde das Stahlkoloss zunächst auf den Rücken gelegt und dann auf die Linksseite gedreht. Schon das stellte sich als keine einfache Aufgabe dar, waren doch die Mitarbeiter von der Größe und dem Gewicht des Tresors überrascht und schätzten das Gesamtgewicht des Stahlschrankes auf knapp sechs Tonnen. Mit Flaschenzügen und Spezialtechnik wurde der schwere Geldschrank dann in Richtung Tür gezogen. Dabei war Millimeterarbeit von Nöten, da nur 10 – 15 mm Luft vorhanden waren, um den Schrank durch den Türrahmen des Einwohnermeldeamtes zu ziehen. Danach wurde der Panzerschrank wieder mit Rollen und Brechstangen in die richtige Position gebracht, um ihn dann aus dem Flur durch die Haupteingangstür zur Verlademöglichkeit zu bringen. An der Rathaustreppe wurde ein Podest errichtet, auf das der Panzerschrank über Stahlplatten und Rollen geschoben und gezogen wurde.

Von dort konnte der Geldschrank letztlich mit einem Kran auf den bereitstehenden Lastwagen gehoben und abtransportiert werden. Jürgen Beyer schätzt das Alter des tonnenschweren Schrankes auf knapp 100 Jahre, welcher einst von der Firma Carl Kästner Geldschrankfabrik und Tresorbau-Anstalt in Leipzig gebaut wude. Vermutlich im Jahre 1931, als im Bürgerbüro noch die städtische Sparkasse untergebracht war, fand der Tresor seinen Weg ins Rathaus. So fanden die Mitarbeiter des Transportunternehmens beim Ausbau des Geldschrankes mehrere Dokumente, welche auf das Aufstelldatum des Tresors am 31. Juli 1931 hinweisen.

So lag unter dem Panzerschrank ein kleiner historischer Schatz, welcher aus einem alten Roßweiner Anzeiger, mit Datum 31. Juli 1931, eine Zeitung vom Turnerbund Roßwein sowie einige Ausgaben des Berliner Börse-Couriers und eine Deutsche Sparkassenzeitung bestand. Darüber hinaus konnten die Mitarbeiter des Rathauses ein Informationsheft über deutsche Rentenwerte als Kapitalanlage, einige Bastelbögen für Sparkassen sowie einen Briefumschlag mit dem Geleitwort zur Tresoraufstellung und einen Umschlag mit Hartgeld entgegennehmen. Nachdem nunmehr das Einwohnermeldeamt von dem historischen und schweren Einrichtungsgegenstand befreit wurde, soll in diesem Jahr der neu entstandene Platz mit dem bisherigen Büro noch eine Umgestaltung erfahren.