Wie fast alle und alles in dieser Zeit, war auch die Roßweiner Rathausgalerie von der Corona-Pandemie betroffen. Ganze 16 Monate ruhte das Ausstellungsgeschehen. Neben der Tischendorf-Ausstellung im März und der Schulfestausstellung mit Bildern von Bärbel Hoffmann war auch die Herbstausstellung ausgefallen. Diese sollte im September mit Arbeiten des Leipzigers Stefan Rochler eröffnet werden.

In den letzten Monaten suchten die Akteure immer nach neuen Wegen und neuen Terminen. Schlussendlich wurde die Ausstellung der Familie Tischendorf auf das Jahr 2022, die Schulfestausstellung mit Frau Hoffmann auf 2025 und die Herbstausstellung auf den 25.06.2021 verschoben. An diesem Tag machten es die Umstände endlich wieder möglich, eine ansprechende Veranstaltung mit anwesenden Besucher*innen durchzuführen.

Natürlich wurden sämtliche Notwendigkeiten eingehalten. Die Besucherzahl wurde begrenzt, es wurde eine Kontaktdatenliste erstellt und die Stühle wurden mit Platzkärtchen versehen. Um den Anwesenden auch eine Aufenthaltsmöglichkeit im Freien zu ermöglichen, bauten die Mitarbeiter*innen des Stadtbauhofes eine kleine Lounge hinter dem Rathaus auf.

In seiner Begrüßung dankte Bürgermeister Lindner Herrn Rochler dafür, dass dieser seine Bilder schon im Herbst 2020 in die Galerie hing und damit die coronabedingt eingekehrte Tristesse in Schach hielt.

 

 

 

 

Stefan Rochler führte im Anschluss an Herrn Lindner selbst in seine Ausstellung ein und stellte sich und seine künstlerischen Motive dem Publikum vor. Dabei beschrieb er in heiterer und kurzweiliger Weise die Zeit, die er hier in Roßwein verbracht hat. Beruflich führte ihn sein Weg 2015 in den Roßweiner Betriebsteil der Meibes Systemtechnik GmbH. Der Leipziger mietete in Roßwein eine kleine Dachwohnung in unmittelbarer Nachbarschaft von Lore Zetzsche, der Ehrenvorsitzenden der Chorgemeinschaft „Frisch Auf“, und fand dort auch Familienanschluss. Lebhaft schilderte er, wie er sich von der Bäckersfrau im Netto-Markt und dem Inhaber des „Lädchens“ angenommen und dazugehörig fühlte. So erklärt es sich auch, dass in seiner Bilderausstellung Motive aus dem Roßweiner Stadtbild und aus Roßweiner Ortsteilen zu finden sind.

Aber auch Stilleben finden sich an den Galeriewänden. Als bemerkenswertes Moment fallen den Betrachter*innen auch Motive auf, bei denen sich Innen- und Außenräume auftuen. Ansichten von Städten und Landschaften, die man durch Fenster sieht – Fenster, die Abstand schaffen und Schutz bieten. Schutz vor dem, was da draußen ist…..

Am Ende seiner Rede zweifelte niemand der Anwesenden daran, dass Stefan Rochler der Stadt Roßwein und ihren Menschen in hohem Maße zugetan ist. Auch wenn er im Jahr 2019 – wiederum aus beruflichen Gründen – seinen Arbeits- und Wohnort Roßwein verließ, um zurück nach Leipzig zu gehen, so bleibt er der kleinen Stadt doch verbunden.

Neben den regelmäßigen Besucher*innen der Rathausgalerie Roßwein waren auch Freunde und Verwandte des Malers da. Die meisten von ihnen besuchten Roßwein das erste Mal und zeigten sich sowohl von den Räumlichkeiten der Galerie und des Rathauses als auch von der landschaftlichen Lage angetan. Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung boten daraufhin an,  am Ende des Abends eine kleine Gebäudeführung durch das Rathaus zu veranstalten. Nachdem der imposante Rathaussaal angeschaut wurde, konnten die Gäste noch vom Rathausbalkon die Unterstadt bis hin zum Hartenberg überblicken.

Auch Anika und Aline Cyrnik nutzten die Gelegenheit und stiegen mit auf den Rathausbalkon, um die Aussicht zu genießen. Beide hatten zuvor als Akkordeon-Duo mit ausgewählten Stücken den musikalischen Rahmen gesetzt. Dafür erhielten sie Beifall und Anerkennung. Die Preisträgerinnen des Bundeswettbewerbes „Jugend musiziert“ haben sich an diesem Abend auch sehr froh gezeigt und das Spiel vor richtigem Publikum genossen.

Alles in allem war es ein wundervoller Abend und es bleibt zu hoffen, dass Kunst und Kultur nach 16 Monaten Pause wieder – wenn auch maßvoll – starten kann.