Die Kooperationspartner AG Geschichte des Döbelner Treibhauses, die Kirchgemeinde Roßwein und die Stadtverwaltung luden alle Interessierten für den 9. November 2018 zu einer gemeinsamen Mahnwache und Gedenkveranstaltung ein.

An den Stolpersteinen der Familie Goldmann in der Mühlstraße begrüßte Bürgermeister Veit Lindner die rund 40 Anwesenden und dankte ihnen für ihr Kommen. Es sei nötiger denn je, sich gegen Antisemitismus und Ausgrenzung zu stellen sagte er in seiner Ansprache. Pfarrer Dr. Jadatz verlas im Anschluss die Biografien der einzelnen Familienmitglieder. Seine Ausführungen zu dem Roßweiner Kaufmann Alfons Goldmann endeten damit, dass dieser am 16.05.1944 in Theresienstadt eingeäschert wurde, seine Frau Magdalena und Sohn Rudolf überlebten den Holocaust, aber die Tochter Dorothea kam ebenfalls in einem Konzentrationslager der Nationalsozialisten ums Leben. Ihr Todestag wurde im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück auf den 19.12.1944 datiert.

Zum Sohn der Familie Rudolf Goldmann führte Pfarrer Dr. Jadatz aus, dass dieser 1933 noch an den Amtsgerichten Döbeln und Roßwein tätig war. Noch im selben Jahr wurde er im April  im Konzentrationslager Hainichen inhaftiert, später in das KZ nach Sachsenburg gebracht und im September 1933 entlassen. Ihm gelang 1939 von Berlin aus die Ausreise nach Australien. Im Mai 1959 erhielt ein früherer Freund Rudolf Goldmanns einen Brief von ihm in dem es hieß:

„Es sind nun schon bald 20 Jahre vergangen seit ich Deutschland verließ und in Westaustralien eine neue Heimat und ein neues Leben fand. Es ist nicht immer leicht gewesen. Besonders in den ersten Jahren war es recht schwierig Fuß zu fassen, denn mit geringen Schulkenntnissen in Englisch kann man nicht weit kommen. Aber nun sind diese Schwierigkeiten überwunden. Das Leben ist in Australien viel weniger kompliziert, vielleicht auch primitiver, aber mit der Zeit gewöhnt man sich. Nach dem Krieg habe ich angefangen Möbel zu polieren und habe mir damit eine neue Existenz aufgebaut. Wenn alles gut geht, werden wir vielleicht in 2 Jahren einmal zu Besuch nach Roßwein kommen. Vorläufig ist das alles eine „Hoffnung“. Wenn es in Roßwein noch jemanden gibt, der sich auf uns besinnen kann und der zu unseren Freunden gehörte, bitte ich alle zu grüßen. Leben noch einige von unseren Nachbarn?“

Während des Verlesens der Biografien wurden die Stolpersteine gereinigt und zum Gedenken Kerzen aufgestellt und weiße Rosen abgelegt.

Der Roßweiner Posaunenchor beschloss den Programmteil auf der Mühlstraße und eröffnet anschließend den zweiten Teil in der Winterkirche. Hier hatten sich ca. 60 Interessierte eingefunden.

Würdige Veranstaltung zum 80. Jahrestag der Pogromnacht

Mit Hinblick auf den Beginn der Friedensdekade Krieg 3.0 stellte Pfarrer Jadatz in seiner Andacht den Frieden in den Mittelpunkt. Unterstützung erhielt er dabei auch von der Kantorin Susanne Röder.

Ein ausführlicher Beitrag zum jüdischen Leben in Roßwein bis 1945 bildete den dritten Programmpunkt an diesem Abend. Sophie Spitzner von der AG Geschichte des soziokulturellen Vereins Treibhaus e.V. Döbeln berichtete in ihrem Vortrag noch von weiteren Schicksalen jüdischer Bürgerinnen und Bürger Roßweins. Zeitzeugenberichte, verschiedenste Archivquellen, Rechercheergebnisse zu verschiedenen KZ-Gedenkstätten, all diese Puzzle-Teile  fügten die AG-Mitglieder zusammen und konnten somit Lebensläufe nachzeichnen, oder ihnen wenigstens eine Kontur geben.

Sophie Spitzner dankte in ihrem Vortrag all jenen ganz herzlich, die bereitwillig über ihre persönlichen Erlebnisse zu diesem Thema berichteten. Sie knüpfte aber auch gleich die Bitte an ihre Rede, dass all jene, die Hinweise oder Dokumente, Briefe, Fotos zu dem Thema beitragen können, diese den Forschungen der AG Geschichte zur Verfügung zu stellen.

In der Broschüre „Niemand kam zurück“ Jüdisches Leben im Altkreis Döbeln bis 1945 haben Sophie Spitzner, Stefan Conrad und all ihre Unterstützer das Forschungsthema auf Döbeln, Waldheim, Hartha und Leisnig ausgeweitet. Da ein großes Interesse in der Bevölkerung an dieser Publikation herrscht, ist derzeit schon ein Nachdruck in Arbeit.

Interessenten können sich direkt an den Döbelner Treibhaus e.V. oder an die Stadtverwaltung Roßwein wenden.

Kontakt:

–          Stadtverwaltung Roßwein, Tel. 034322/46622, Mail: email hidden; JavaScript is required bzw. email hidden; JavaScript is required

–          Döbelner Treibhaus e.V., Tel. 03431/6052973, Mail: email hidden; JavaScript is required