In kleiner Rund wurde am Volkstrauertag, dem 15. November, an die Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft an den Ehrenmalen in Otzdorf und dem Friedhof in Roßwein erinnert. Durch Bürgermeister Veit Lindner sowie Vertreter aus der Zivilgesellschaft und der Kirche wurden Blumengebinde niedergelegt. Der Volkstrauertag ist in Deutschland ein staatlicher Gedenktag und gehört zu den sogenannten stillen Tagen. Er wird seit 1952 zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag begangen und erinnert an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen.

 

Der Roßweiner Pfarrer Dr. Heiko Jadatz richtete folgende Worte an die Teilnehmer der kleinen Gedenkfeier:

Volkstrauertag

Heute, am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres, ist Volkstrauertag. An diesem Tag halten wir in unserem Land für einen Moment still und denken an alle Opfer von Krieg und Gewalt. Und wir bitten und hoffen, dass die endlos scheinende Spirale solcher Gewalt auf dieser Welt ein Ende hat. „Wir denken an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker. Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren, oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde. Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten. Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren. Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind. Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz. Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“
– Stille –

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines
Gestirn im großen Weltall.
An uns liegt es, daraus einen Planeten
zu machen,
dessen Geschöpfe nicht von Kriegen
gepeinigt werden,
nicht von Hunger und Furcht gequält,
nicht zerrissen in sinnloser Trennung
nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung.
Gib uns den Mut und die Voraussicht,
schon heute mit diesem Werk zu
beginnen,
damit unsere Kinder und Kindeskinder
einst mit Stolz den Namen Mensch
tragen.
(Das sogenannte Gebet der Vereinten
Nationen stammt aus dem Jahr 1942.)

 

Pfarrer
Dr. Heiko Jadatz

 

Der Volkstrauertag wurde durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf Vorschlag seines bayerischen Landesverbandes zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt.