Trinkwasserkonzeption beinhaltet Mischung der Wasserressourcen – das erhöht die Versorgungssicherheit und senkt die Wasserhärte

Starke Hitze, anhaltende Trockenheit und extreme Niederschläge: Die Auswirkungen des Klimawandels werden zunehmend auch in Mittelsachsen spürbar. Über Wassermangel allerdings braucht sich hier niemand Sorgen machen. “Die Bürgerinnen und Bürger können auch in Zukunft auf eine zuverlässige und bezahlbare Versorgung mit der kostbaren Ressource Trinkwasser bauen. Dafür haben wir in unserem Versorgungsgebiet vorgesorgt”,  sagt Stephan Baillieu, Geschäftsführer des Wasserverbandes Döbeln-Oschatz.

In Anlehnung an die nationale Wasserstrategie des Bundes hat der Wasserverband zusammen mit seinem Betriebsführer, der Veolia Wasser Deutschland GmbH, seine Trinkwasserkonzeption so gestaltet, dass Trinkwasser auch in Zukunft für alle zur Verfügung steht.

“Wie vom Bund und dem Wasserhaushaltsgesetz empfohlen, setzen wir auf eine ortsnahe Wasserversorgung aus Grundwasservorkommen und Verbundnetzen. Das ist insgesamt sicherer und zugleich besser fürs Klima”, erklärt Stephan Baillieu. Grundwasser ist Teil des natürlichen Wasserkreislaufs: Regenwasser versickert in der Erde und wird bei seiner langen, bis zu 60 Jahre dauernden Reise durch die verschiedenen Gesteins- und Sandschichten gereinigt. Es entsteht sauberes Grundwasser, das als Trinkwasser verwendet werden kann und ebenso gegen Verdunstung geschützt ist. “Im Gegensatz dazu ist Oberflächenwasser aus Talsperren weniger geschützt und viel anfälliger für Verunreinigungen. Vor allem bei Starkregen kann es zu Einspülungen von Fremd- und Spurenstoffen ins Oberflächenwasser kommen, die mithilfe vieler chemischer Aufbereitungsmittel entfernt werden müssen”, so Stephan Baillieu.

Der Wasserverband Döbeln-Oschatz ist nicht der einzige, der sich für den Grundwasser-Weg entschieden hat. Deutschlandweit werden heute insgesamt über 60 Prozent des Trinkwassers aus dem Grundwasser gewonnen. Tendenz steigend, wie das Beispiel Leverkusen zeigt. Hier setzt der Versorger seit diesem Jahr aufgrund des klimabedingt rückläufigen Wasserdargebotes in den Talsperren wieder verstärkt auf die Eigengewinnung aus Grundwasser.

“Wenn man auf mehrere dezentrale Wasserfassungen zugreifen kann, ist man unabhängiger und kann in kritischen Situationen schneller reagieren: bei einem großflächigen Stromausfall, bei terroristischen Anschlägen und Manipulationen und natürlich auch bei Wasserrohrbrüchen. In dem Fall kann man die Wasserversorgung kurzfristig über andere Wassergewinnungsanlagen sicherstellen – und keiner muss womöglich tagelang auf dem Trockenen sitzen”, weiß Dr. Markus Biegel, Technischer Leiter bei Veolia. Gäbe es nur eine einzige Versorgungsleitung, die das Wasser zum Beispiel aus einer Talsperre speist, wäre dies nicht so einfach möglich. Dann würden alternative Versorgungswege fehlen.

Deshalb investiert der Wasserverband Döbeln-Oschatz weiter in den Ausbau des Trinkwassernetzes und plant, insbesondere die Kommunen in den Altkreisen Oschatz und Döbeln noch stärker zu vernetzen. So soll in den kommenden drei Jahren eine neue, fünf Kilometer lange Verbindungsleitung zwischen Oschatz/Malkwitz und Ostrau gebaut werden. Im Norden des Versorgungsgebietes geht es in nächster Zeit darum, die Dimension des Netzes auszubauen. Es ist geplant, die bestehende Infrastruktur um fünf Kilometer zu erweitern und circa 15 Kilometer der Trinkwasserleitungen zu erneuern.

Positiver Nebeneffekt: Durch die bessere Vernetzung ist es möglich, Grundwasser aus den nitrat- und kalkärmeren Wasserressourcen im Raum Oschatz/Malkwitz mit dem in der Jahna-Aue geförderten Grundwasser zu mischen und damit den Nitratwert und die Gesamtwasserhärte im südlichen Versorgungsgebiet zu reduzieren. In Roßwein zum Beispiel, könnte der Härtegrad dadurch um bis zu zwölf Grad deutscher Härte sinken. Der Härtegrad sagt jedoch nichts über die Qualität des Trinkwassers aus und ist auch nicht Bestandteil der Trinkwasserverordnung. Die definiert klar, welche Inhaltsstoffe in welcher Konzentration im Trinkwasser enthalten sein dürfen. Und das wird streng überwacht – durch regelmäßige Wasserbeprobungen im Trinkwassernetz sowie an den Ausgängen der Wasserwerke.

„Alle, die sich eine Senkung der Wasserhärte herbeiwünschen, können wir nur um Geduld bitten und empfehlen, elektrische Geräte wie Kaffeemaschinen und Wasserkocher regelmäßig zu entkalken, zum Beispiel mit Essig oder Zitronensäure“, sagt Stephan Baillieu. „Der Netzausbau ist nicht von heute auf morgen mal fix gemacht. Dafür braucht es viele Schritte in der Vorbereitung und insbesondere die Genehmigung eines so großen Projektes benötigt viel Zeit. Wir sind aber dran.“