Vor längerer Zeit wurde die Gedenkveranstaltung schon geplant und musste durch Corona-Beschränkungen mehrmals verschoben werden. Am 28. August konnten nun Kirchgemeinde und Stadt dazu in die Roßweiner Kirche einladen. Bürgermeister Veit Lindner und Pfarrer Dr. Heiko Jadatz begrüßten die Angehörigen und Familien, die in den zurückliegenden Monaten seit Ausbruch der Corona-Pandemie einen Verstorbenen zu betrauern hatten. Für viele von ihnen war ein letzter Abschied am Sterbebett verwehrt oder eine Trauerfeier nur im engsten Familienkreis möglich. Deshalb sollte in der Gedenkveranstaltung noch einmal Raum und Zeit gegeben werden, um der Verstorbenen in einem würdigen Rahmen zu gedenken. Die Gedenkfeier wurde vom Roßweiner Posaunenchor musikalisch gestaltet.

Nach dem Glockengeläut begrüßte Pfarrer Jadatz die Anwesenden. Anschließend trat Bürgermeister Lindner ans Mikrophon. In seiner Rede betonte er, dass hinter der Zahl der Verstorbenen immer Einzelschicksale stehen und Betroffenheit und Trauer in den Familien- und Freundeskreisen herrschen. „Eine Gesellschaft, die dieses Leid verdrängt wird Schaden nehmen.“ meint Veit Lindner. Es sei beklagenswert, dass es Menschen gab und gibt, welche die Existenz des Virus leugnen. Der Bürgermeister betonte, dass Sterben in der Pandemie, oft ein Sterben in Einsamkeit bedeutete. Er drückte allen Angehörigen sein Mitgefühl aus und endete mit einem Zitat von Immanuel Kant „Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.“

   

Pfarrer Jadatz bezog sich zu Beginn seiner Rede auf das Bild über dem Eingang zur Kirche. Es entstand vor mehr als 120 Jahren. Ein zweites Bild vom selben Künstler ist an einer Leipziger Kirche zu sehen – hier mit dem Bibelwort: „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet sein! Ich will Euch Ruhe schenken“. Er schlägt in seinen Ausführungen die Brücke zwischen dem Leid der Menschen und der offenen Kirchentür, die dazu einladen soll, hier zu verweilen und Ruhe zu finden. Pfarrer Jadatz beschrieb seine Beobachtungen während des ersten Lockdowns, der unseren Lebensalltag in weiten Teilen stilllegte: „Es herrschte eine seltsame Stille auf Roßweins Straßen und anderswo. Doch diese Stille war trügerisch. Denn sie zeigte nicht, wie mühsam und belastend das Ganze für viele von uns ist.“ Es veranlasste ihn dazu, jeden Morgen die Kirchentür zu öffnen und die Menschen dazu einzuladen, um bei aller Last und aller Mühe hier für ein paar Minuten zur Ruhe zu kommen, auch und besonders in der Trauer um einen lieben Menschen.

 

 

Für die fast 150 Verstorbenen wurde an einer großen Kerze im Altarraum ein Stein mit dem jeweiligen Namen abgelegt – der Stein als Symbol für die Last der Trauer, die Namen als Erinnerung an jeden einzelnen Menschen, der in dieser Zeit verstorben ist. So baute sich allmählich ein „Meer“ an Steinen um die Kerze herum auf. Die Angehörigen und Familien konnten nach der Gedenkfeier den Stein des oder der Verstorbenen mitnehmen. Viele zeigten sich für die Veranstaltung sehr dankbar. In der Nachricht einer Bürgerin an die Stadtverwaltung hieß es unter anderem:

„Die Anwesenden haben eine würdige und gelungene Feier erleben dürfen, welche mit viel Einfühlungsvermögen und ideenreich gestaltet wurde.“

Schließlich ist zu hoffen, dass auch die Trauer um einen Verstorbenen bald wieder unter gewohnten Bedingungen den nötigen Raum und die nötige Zeit bekommen kann.