Ein ganzes Jahrhundert ist Ruth Kögel nun schon alt und damit die älteste Einwohnerin von Roßwein. Im Geburtsjahr 1919 fiel der 23. November auf einen Sonntag, und Ruth Kögel wird in eine schwierige Zeit hineingeboren. Gerade war der erste Weltkrieg zu Ende, der deutsche Kaiser abgedankt und die Novemberrevolution brachte die erste parlamentarische Demokratie – die der Weimarer Republik – hervor. Hunger und Inflation waren zunächst Wegbegleiter der Kindheit. 1924 erhält die Familie Zuwachs durch Schwester Nette. Die Schulzeit beginnt 1926 in relativer Sicherheit und der Sport, vor allem das Schwimmen im Roßweiner Stadtbad, weckte die Leidenschaft der noch heute rüstigen und agilen Hundertjährigen. 1929 erlebte die Familie dann die Weltwirtschaftskriese und die Schatten des herannahenden Nationalsozialismus. Ruth´s Vater verliert die Arbeit und kommt als alter Sozialdemokrat monatelang in ein Konzentrationslager. Mit einer kleinen Leihbücherei und Papierwarengeschäft in der Mittelstraße 4 schaffte Ruth´s Vater 1934 eine neue Lebensgrundlage für  die Familie. Der geliebte Vater Oskar wurde gegen Ende des Krieges noch an die Front eingezogen und gilt seither als verschollen. 1940 bringt Ruth Kögel einen Sohn zur Welt, den sie im elterlichen Haus in der Mittelstraße großzieht. Ihre Mutter pflegt sie bis zu deren Tod. Ruth Kögel selbst erlernt den Beruf einer Bürofachkraft, findet eine Anstellung in der Ingenieurschule Roßwein und geht Anfang der 80-er Jahre in Rente. Die rüstige Hundertjährige, welche ein Leben voller Arbeit hinter sich hat, lässt sich auch im hohen Alter nicht davon abhalten, zu reisen und ferne Länder zu erkunden. Als Rentnerin bereist sie fast ganz Europa und China. Mit den örtlichen Reiseunternehmen besucht sie Sehenswürdigkeiten im ganzen Land und bedauert, dass sie nun, aufgrund einer einsetzenden Sehschwäche, in punkto Reisen etwas kürzer treten muss. Ruth Kögel ist bei guter Gesundheit und meistert ihren Alltagtag, trotz zunehmender „Wehwehchen“ noch weitestgehend ohne Hilfe.

Bürgermeister Lindner kam gemeinsam mit Stadtrat Uwe Hachmann zur Gratulation bei ihr vorbei, und sie verabredeten sich gleichzeitig zum Wiedersehen bei der Seniorenweihnachtsfeier am 03. Dezember im Rathaus. Für die kommenden Jahre wünscht sich Ruth Kögel weiterhin eine stabile Gesundheit, verbunden mit dem Ziel, mindestens so alt wie Johannes Heesters zu werden.