Etwa 200 Menschen, darunter die 110 Mitarbeiter der Schmiedewerke samt Familien und Freunde, zogen am Sonnabend, dem 10. Oktober  2020 lautstark durch Roßwein, um gegen die Schließung ihres Unternehmens durch die österreichische Frauenthal Gruppe zu demonstrieren. Der Demonstrationszug, welcher vom Betriebsrat und der IG Metall angeführt wurde, startete auf dem Marktplatz mit dem Ziel einer kleinen Abschlusskundgebung am Schmiedewerk in der Goldbornstraße. Unter dem Motto „Unsere Schmiedewerke müssen weiterleben!“ demonstrierten die Schmiedewerker und Teilnehmer für den Erhalt des Roßweiner Schmiedewerkes. Auch Betriebsräte anderer Betriebe, wie der Schmiede in Gröditz, dem Feralpi-Stahlwerk Riesa und von Mannesmann in Zeithain waren gekommen, um die Roßweiner Kollegen zu unterstützen.

In einem Solidaritätsgruß überbrachte der Betriebsrat der Schmiedewerke Gröditz Uwe Jahn Grüße der Arbeitnehmer aus Gröditz und betonte „30 Jahre nach der Wende stehen wir wieder auf Straßen und Brücken, um für unsere Arbeitsplätze einzustehen. Wir Gröditzer wissen, wie sich das anfühlt. Wir wissen aber auch, dass es sich lohnt zu kämpfen.“ Bürgermeister Veit Lindner demonstrierte mit den Arbeitern. Er wolle nicht akzeptieren, dass mit dem 110 Jahre alten Schmiedewerk das letzte Stück Industrietradition in Roßwein abgewickelt wird. In seiner Rede am Werktor erinnerte er an den Antrittsbesuch des Geschäftsführers und die Investitionsversprechen der Frauenthal-Gruppe. „Offenbar hat es nicht mal für eine Sense gegen das Unkraut vor dem Werksgelände gereicht“, rief er den Mitarbeitern wütend zu. Dennoch hofft er, dass es weitergeht, am besten mit einem neuen Investor. Denn die Schließung betrifft Väter, Mütter und auch die jüngste Generation in der Stadt, von denen viele ihre Eltern bei der Demonstration begleiteten.

Der 2. stellvertretende Bürgermeister Peter Krause erinnerte an das Jahr 1991, als man schon einmal um den Erhalt des Schmiedewerkes kämpfte. Auch diesmal sei wichtig, Hoffnung zu behalten, denn „Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat verloren“, rief Peter Krause den Schmiedewerkern zu. Als Schlussredner appellierte Hans-Joachim Porst an seine Kollegen „Wir wollen retten, was zu retten ist. So einen Zusammenhalt unter den Kolleginnen und Kollegen gibt es nicht wieder. Wir sind eine Schmiede mit Tradition. Wir wollen weiter schmieden“, Wie Willi Eisele, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Riesa im Anschluss den Schmiedewerkern erklärte, besteht das Ziel, den Schmiedestandort zu erhalten. Erste Sondierungsgespräche fanden bereits statt, jedoch sei das Angebot, welches der Arbeitgeber Frauenthal vorlegte, schlicht eine Sauerei“, so Eisele. Das Angebot liege 15-fach unter dem, was die Arbeitnehmer fordern. Kernziel ist und bleibt es, eine Einflugschneise für den Erhalt der tarifgebundenen Arbeitsplätze am Standort zu finden.