Jetzt jammern die Bauern wieder

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Liebe Landwirtschaftsinteressierte,

der Eindruck entsteht – die Bauern jammern immer. Mal ist es zu kalt, zu frostig, zu nass und jetzt ist es zu heiß und vor allem zu trocken. Bis heute hat es unterdurchschnittlich geregnet, für die Urlauber ein super Zustand – hatten wir doch alle schönes Strand- und Badewetter. Essen und Trinken war immer reichlich vorhanden.  Die Getreideernte war noch nie so fix eingebracht, wie in diesem Jahr. Die Erträge leicht unterdurchschnittlich. Die Bauern dürften damit zufrieden sein – keine Kosten für lange Wartezeiten, keine mehrmaligen Anläufe mit der Technik auf einem Feld und keine Trocknungskosten. Bis dahin lief es in der Landwirtschaft, speziell der Feldwirtschaft, relativ rund.

Tierhaltende Betriebe bemerkten aber schon bei der Futtergewinnung auf den Wiesen, dass im 1. Schnitt für Silage und bei Heugewinnung ein Minderertrag bis zu 50 % zu anderen Jahren fehlte. Der 2. Silageschnitt brachte einen Minderertrag bis 70 %. Der 3. Schnitt – nicht erntewürdig. Irgendwann wird es doch mal regnen, so die Hoffnung in der Landwirtschaft seit Juni. Aber, wir wissen es, nennenswerter Niederschlag blieb bisher aus. Normalerweise haben wir in Mittelsachsen (MSN) im Jahresdurchschnitt ca. 700 mm Niederschlag in Nordsachsen (NSN) ca. 550 mm. Bisher sind in MSN 180 mm und in NSN 200 mm gefallen, allerdings mit einer ungünstigen Verteilung. Überdurchschnittlich viel Niederschlag (118%) fielen in den Monaten Januar und März. Die gute Wasserhaltefähigkeit unserer mittelsächsischen Lößböden rettete unseren Bauern hier die Getreide- und Rapserträge. Auch die leichten Böden in NSN brachten, wie schon erwähnt, hier noch erkleckliche Erträge hervor. Aber jetzt, liebe Leser, wird es echt ernst. Die Aufwüchse auf den Futter- und Weideflächen für Tierhalter gehen dem Ende entgegen. Schauen Sie sich um, überall ausgebrannte und braune Wiesen. Was bedeutet das? Es muss zugefüttert werden. Die meisten Betriebe haben noch Futterreserven aus dem alten Jahr. Diese werden natürlich zuerst aufgebraucht. Danach geht es an das Futter, welches für den Winter vorgesehen war, … und man denkt über Futterzukauf nach. Als letzte Möglichkeit bleibt noch, den Bestand an Tieren zu reduzieren oder gar abzuschaffen. Genau hier liegt der Teufel im Detail. Futter zukaufen – woher? Die Futtersituation im Umkreis sieht rund herum gleich schlecht aus. Preisanstiege für Heu liegen seit Juni bei bis zu 20 %. Jetzt schon das vorrätige Winterfutter aufbrauchen – was wird dann im Winter? Andere Winterfutterquellen, wie z.B. Mais oder auch Futterkartoffeln, werden in diesem Jahr eher begrenzt zur Verfügung stehen und diese alleinige Fütterung ist nicht tierartgerecht. Wiederkäuer brauchen Grobfuttermittel wie Silage, Heu oder Stroh. Tiere abschaffen – letzte Möglichkeit: Begonnen hat diese Maßnahme schon. Der Preis für Schlachtkühe befindet sich im „freien Fall“.  Also, was tun? Jammern? Ich denke, wir Bauern jammern nicht. Jeder von uns versucht, sich über diese Situation zu retten. Hilfe vom Staat? .. wäre nicht schlecht. Diese wird derzeit auch angedacht. So dürfen nun die sogenannten Greeningflächen für Futterzwecke genutzt werden. Auch die angebauten Zwischenfrüchte dürfen, wenn diese dann aufgegangen sind (auch hier fehlt Regen), als Futter genutzt werden. Die Landwirte werden sich untereinander helfen, mit zur Verfügung stellen dieser Flächen, wenn ein Betrieb z.B. keine Tiere hat. Sicher wird auch die Fütterung im Winter umgestellt, Stroh wird einen höheren Stellenwert bekommen. Für den ein oder anderen wird es auch eine Bestandsreduzierung geben, was mit Sicherheit sehr schade ist. In Sachsen werden nur noch 0,5 GV (Großvieheinheiten) je Hektar (ha) landwirtschaftliche Nutzfläche gehalten. Das heißt ½ Kuh gibt es noch je ha. Richtig und gesund wären 1 Kuh + Nachzucht je ha. Es bleibt wirklich nur zu hoffen, dass es bald regnet, möglichst langsam und ausdauernd. Die Situation wäre dann in 4 Wochen wesentlich entspannter. Möglicherweise könnte der Bauer auch im Herbst noch Futter wenigstens als Silage ernten. Bitte verstehen Sie also die Berichterstattung in den Medien nicht als jammern sondern als Situationsbericht. So oder so, Sie werden keine Auswirkungen in den Läden bemerken. Es wird weiterhin Gemüse, Fleisch, Brot, Milch, … also alles, was ihr Herz begehrt, im Laden preiswert zu kaufen geben. Es kommt entweder aus dem regionalen Umkreis oder irgendwo aus der Welt. Um noch mal auf das JAMMERN zurückzukommen. Ich höre derzeit davon wenig von meinen Berufskollegen. Sicher, der Sächsische Landesbauernverband setzt sich für Nothilfen ein. In Wirklichkeit kann dieses Jahr nur „Bares“ helfen. Aber diese Hilfe muss gut durchdacht eingesetzt werden. Unsere Kollegen im Norden und Osten brauchen dringendst diese Hilfe. Zukünftig ist die Politik gefragt!! Unsere langjährige Forderung nach steuerfreien Rücklagen, für eben solche Situationen, müssen endlich eingeführt werden. So kann der Bauer in „fetten Jahren“ selbst Vorsorge betreiben.

Im Übrigen wissen Sie selbst, nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht für viele Medien – so wird es meist auch dargestellt.

Kontaktieren Sie mich! Telefon:  03431 622843

Iris Claassen
Geschäftsführerin Regionalbauernverband Döbeln-Oschatz e.V.

(Maisfeld zur Ernte September 2017)

Jetzt jammern die Bauern wieder 2

(im Vergleich August 2018)